Das Gespenst der Berufsarmee taucht wieder auf Wehr- und sicherheitspolitisches Bulletin Nr. 14/12/15

Offiziersgesellschaft fordert Respekt für Österreichs Soldaten

Und wieder betätigt sich eine kleinformatige Zeitung als Sicherheitsexpertin. Während andere Armeen in Europa über die Wiedereinführung der Wehrpflicht nachdenken, wird in Österreich das finanziell ausgehungerte Grundwehrdienstsystem des Bundesheers schlecht geschrieben. Und die Miliz wird – wieder einmal! – nicht eingesetzt.

Grundwehrdienern zu unterstellen, dass sie dem Einsatz „psychisch nicht gewachsen sind“, ist eine Verhöhnung der zig-tausend Rekruten, die 20 Jahre lang bewaffnet die Grenzen Niederösterreichs und des Burgenlands gegen illegale Einwanderer schützten. Waren damals Festnahmen und Eskortierungen erforderlich, wären es derzeit nur Ordnungsdienste am Weg zu Bussen und Zügen für den Transport von Flüchtlingen mit Frauen und Kindern. Gegebenenfalls sollte das machtlose Zurückweichen, wie es die verantwortliche Polizei tut, auch Rekruten unter militärischer Führung erfahrenen Kaderpersonals möglich sein. Junge Staatsbürger, die den Wehrdienst leisten, derart zu entmündigen und abzuqualifizieren wird dem Leistungsvermögen nicht gerecht. 1991 standen solche Rekruten mit schweren Waffen zum Schutz der Grenze den Panzern der jugoslawischen Volksarmee gegenüber. Niemand hat die Frage gestellt, ob sie dem „psychisch gewachsen“ wären. Aber man hat erlebt, dass sie ihre Aufgaben unter guter Führung ihrer Kommandanten erfüllen können.

Oder möchte man im aktuellen Assistenzeinsatz vielleicht beweisen, dass es doch keine Wehrpflicht braucht? Werden Grundwehrdiener und Miliz nicht eingesetzt, damit man nachher sagen kann, dass wenige tausend Berufssoldaten gereicht haben? Ist der Bericht zur „Reform der Wehrpflicht“ plötzlich aufgehoben worden? Doch den Kurzsichtigen sei ins Stammbuch geschrieben: Ausreichende Personalstärke wird man nur mit einer Wehrpflichtigen-Armee bekommen! Es könnte ja auch sein, dass ein nächster Einsatz mehr als 2.000 Soldaten erfordert.

Bundesheer hat keine Sinnkrise

Der Schutz des Staates und seiner Bevölkerung ist eine ehrenvolle Aufgabe. Sie wird von Soldaten des Präsenz-, Miliz- und Reservestandes mit höchster Loyalität wahrgenommen. Angesichts unsicherer Zeiten braucht kein Soldat seine Existenz rechtfertigen. Alle Soldaten erwarten sich aber auch Ernsthaftigkeit und Respekt von der politischen Führung!

Die ÖOG fordert daher für die eingesetzten Soldaten eine entsprechende Schutzausrüstung. Dann kann man auch jedem Rekruten, der sein Treuegelöbnis abgeleistet hat, die zu erwartenden Aufgaben zumuten. Für robustere Aufgaben im Assistenzeinsatz werden Polizei und Bundesheer ohnehin Spezialeinsatzkräfte bereitstellen müssen. Und die ÖOG fordert zum wiederholten Mal, auch den Bürger in Uniform – die Miliz – für den Schutz Österreichs heranzuziehen.

Rückfragen an Oberst Mag. Erich Cibulka 0676 33 01 963

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