Nr. 2/1/13 Editorial „Der Offizier“ 1/13

„Wir übten mit aller Macht, aber immer wenn wir begannen, zusammengeschweißt zu werden, wurden wir umorganisiert. Ich habe später gelernt, dass wir oft versuchten, Verhältnissen durch Umorganisation zu begegnen. Es ist eine phantastische Methode. Sie erzeugt die Illusion des Fortschritts, wobei sie gleichzeitig Verwirrung schafft, die Effektivität vermindert und demoralisierend wirkt.“ (Gaius Petronius AD 14-66).

Das Zitat könnte aus der jüngeren Vergangenheit stammen. Es ist vor fast 2.000 Jahren geschrieben worden und wird dem römischen Senator und Autor Satyricons zugeschrieben. Was unter einem VerteidigungsministerPlatter mit dem Ende der Truppenübungen begonnen wurde, wird in der Gegenwart durch seinen Amtsnachfolger Darabos geradezu übertroffen.

Der Wille des Gesetzgebers und sein Auftrag, das Bundesheer nach den Grundsätzen der Miliz zu organisieren, werden ungestraft missachtet. Schamlos werden sogar Budgetmittel und Kabinettsbeamte in Uniform eingesetzt, um das Gegenteil von dem zu erwirken, was Sache zu sein hätte.

Man bedient sich dabei des Boulevards, der sich nach dem Erhalt von Inseratenaufträgen in Millionenhöhe dankbar erweist und selbst nicht vor niedrigsten Methoden im Journalismus zurückschreckt.

Da müssen zum Beispiel in einem Kleinformat sogar der Tod von Rekruten und das Leid ihrer Angehörigen herhalten, um gegen den Auftrag des Gesetzgebers zur Allgemeinen Wehrpflicht Stimmung zu machen („Die Krone: 20 Tote – 20 Gründe gegen die Wehrpflicht“). So als gäbe es in einem Berufsheer, das angetan wäre, die Tür zur Teilnahme an Expeditionskorps zu öffnen, nicht noch viel höhere Risiken.

Dass man für ein solches daran ginge, die Gewehrträger aus dem Prekariat zu rekrutieren, scheint nicht zu stören. Völlig unmoralisch und gegen die Tradition ihrer Partei ist es eine Clique in der Sozialdemokratie, welche die Formel „Arme sterben leichter“ zum Grundsatz zu erheben scheint. Sie vergisst, dass militärische Landesverteidigung eine Gemeinschaftsaufgabe aller Staatsbürger ist.

Nie zuvor hat es in der Geschichte der Zweiten Republik eine Ressortführung gegeben, die den Gesetzesauftrag derart missachtet hat und das Bestehende – bei allem erkennbaren Reformbedarf – miesmacht.

Setzen wir entgegen einer solchen Politik am 20. Jänner ein deutliches Zeichen.

Aus dem Editorial der Zeitschrift „Der Offizier“, 1/2013 von Brigadier i.R. Mag. phil. Manfred Gänsdorfer, Herausgeber und Chefredakteur

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