Nr. 16/12/12 Brief des gf Präsidenten zum Jahresausklang

„Ist der Kapitän verhindert, so nimmt der 1. Offizier die Pflichten und Befugnisse des Kapitäns wahr“. So steht es im Seemannsgesetz und sinngemäß auch in den ÖOG-Statuten. Dies ist am 16. Dezember im Vorstand der ÖOG geschehen. Präsident Dr. PAULUS hat den Vorstand gebeten, sein Amt ruhend zu stellen und sich vom dienstältesten Vizepräsidenten zeitlich befristet vertreten zu lassen. Somit ist Brigadier Ing. Mag. Dieter Jocham bis auf weiteres, gemeinsam mit den beiden Vizepräsidenten sowie dem gesamten Vorstand der ÖOG, für Kurs und Funktionstüchtigkeit der ÖOG verantwortlich.

Die Übernahme der Führungsverantwortung ist professionell und zur Überraschung mancher „Gegner“ schnell und einstimmig über die Bühne gegangen. Er zeigt, dass sich die ÖOG  personenunabhängig für ein modernes, seriöses und zukunftsorientiertes Bundesheer einsetzt – egal ob an der Spitze ein Miliz-, Berufs- oder Reserveoffizier steht.

Der Vorstand und mit ihm mehr als 6000 Offiziere bekennen sich zu einem glaubwürdigen Bundesheer auf sicherem Fundament. Die ÖOG lehnen Populismus ebenso wie ausschließlich parteipolitisches Denken ab. Die ÖOG ist parteiunabhängig und unterstützt immer dann politische Positionen, wenn sie
einer Stärkung der Landesverteidigung dienen. „Unsere 50-jährige Erfahrung als
ÖOG ermöglicht uns, ehrliches Bemühen um die Sicherheitspolitik von
populistischen Positionen zu unterscheiden. An manche Politiker wird man sich
in 50 Jahren nicht mehr erinnern können, die ÖOG wird es dann aber noch immer
geben“, so Jocham. Dieses Selbstverständnis macht die ÖOG stark und so wollen
wir es auch in Zukunft halten. Die ÖOG – das sicherheitspolitische Gewissen
Österreichs.

Die strategische Reserve Österreichs

Das Bundesheer ist seit seinem Bestehen die strategische Reserve der Republik Österreich. Wenn Polizei, Feuerwehr und Rettungsorganisationen nicht mehr können, steht das Bundesheer mit Spezialisten und Mannstärke bereit. Egal ob bei Katastrophen, Evakuierungen, Absperrungen, Bewachungen, Überwachung und Sicherung der Staatsgrenze und des Luftraumes oder bei Terrorgefahr.

In all den Jahren wurden sämtliche Einsätze zum Wohle und zur Sicherheit der Bevölkerung erfolgreich und professionell durchgeführt. Darauf kann das Bundesheer zu Recht stolz sein. Die Masse dieser Einsätze sind, Gott sei Dank, in einem überschaubaren Rahmen geblieben, das Aufbieten aller Kräfte einschließlich der Miliz blieb uns bisher erspart. Ob dies für alle Zeiten so bleiben wird, muss
realistischerweise bezweifelt werden.

Der 20. Jänner 2013 – ein Entscheidungstag für Österreich

Die Volksbefragung über die Abschaffung oder Beibehaltung der Wehrpflicht ist ein Meilenstein, nicht nur für das österreichische Bundesheer, sondern darüber hinaus auch für den Sozialbereich und für die Sicherheit Österreichs bei Krisen und
Katastrophen. Auch wenn jeder von uns viele berechtigte Verbesserungsvorschläge
für Wehr- und Zivildienst kennt, derzeit besitzen wir ein bewährtes und funktionstüchtiges System für alle erdenklichen Krise und Gefahren.

Es muss einmal laut gesagt werden: Jeder Aufgabenträger im Bundesheer und in den Zivildienstorganisationen, egal ob als Berufs-, Zeit- oder Milizsoldat oder als
Wehr- und Zivildiener erfüllt seine ihm zugewiesene Aufgabe, maßgeschneidert
nach seinen Fähigkeiten und Ausbildung mit hohem Engagement und oft auch mit
großem Risiko und persönlichen Einsatz.

Die Zukunft beginnt schon morgen

Die Volksbefragung am 20. Jänner kann, trotz der noch zu erwartenden Schmutzkübelkampagne einiger weniger populistischer Medien, gewonnen werden. Dies wird umso deutlicher ausfallen, je mehr die „stillen“ Befürworter der Wehrpflicht motiviert werden können, zur Abstimmung zu gehen. Daher sind alle Kameraden und alle mit uns befreundeten Vereine aufgerufen, in den nächsten Wochen für eine hohe Teilnahme an der Befragung Werbung zu machen.

Was die ÖOG für die Zukunft erwartet ist nicht partei- sondern verantwortungsbewusste Staatspolitik. Das Bundesheer benötigt einen ehrlichen Kassasturz, ohne parteipolitisch rosaroter Brille.

Unser Bundesheer braucht zu aller erst ein ausreichendes Wehrbudget im europäischen Durchschnitt. Damit können wir flächendeckend modernisieren, an Attraktivität gewinnen, verlorengegangenes Terrain in der Professionalität und bei der Miliz aufholen und neue Zeitsoldaten gewinnen. Gleichzeitig kann es gelingen,
zahlreiche wichtige Aufgaben, welche derzeit aus Kostengründen Rekruten machen,
professioneller wahrzunehmen. Umso eher können noch mehr unserer Rekruten einer gediegenen militärischen Ausbildung zugeführt werden.

Die höheren Kader, wie auch alle Kadersoldaten im Bundesheer, hätten heute schon das Knowhow für ein besseres, moderneres und zukunftsorientierteres Bundesheer, vieles verhindert derzeit das fehlende Geld.

Auf dem Fundament der allgemeinen Wehrpflicht wollen wir als ÖOG mithelfen, wie in der Schweiz und Finnland, das Bundesheer der Zukunft zu gestalten.

Das dies gelingen kann, bin ich und mit mir alle Kameraden der Offiziersgesellschaft überzeugt.

Auf einen Erfolg für die Wehrpflicht am 20. Jänner 2013.

Auszug aus einem „Brief des Präsidenten“ von gf Präsident Brigadier Ing. Mag. Dieter Jocham, vorab zur Ausgabe von „Der Offizier 1/13“

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