Die Absetzung des Generalstabschef im Detail

Montag, 24. Jänner: In Entachers Büro sind Mitglieder des Generalstabs versammelt. Sie warten, bis Entacher von einem Gespräch mit dem Kabinettschef des Ministers zurückkehrt. Entacher berichtet, er solle sofort ein Pensionsansuchen abgeben, oder er würde von seinen Aufgaben als Generalstabschef entbunden. Die Präsidentschaftskanzlei war über einen Verbindungsmann Heinz Fischers zum Generalstab über die Vorgänge informiert. In der Hofburg hielt man die Drohung gegen Entacher für eine Nötigung.

Außerdem soll der Bundespräsident fuchsteufelswild gewesen sein, weil Darabos ihn nicht informiert hatte – obwohl der Minister wenige Stunden später einen Termin bei Fischer hatte. Inzwischen kommt es im Ministerium zum zweiten Gespräch. Diesmal spricht Darabos allein mit Entacher. Der Armeechef kehrt zurück ins Büro und es scheint, der Minister habe ihn weichgeklopft. Einer der Generäle setzt in die Präsidentschaftskanzlei eine „Alarmmeldung“ ab: „Entacher fällt um, es sieht aus, als würde er das Pensionsansuchen unterschreiben.“ Die Antwort aus der Präsidentschaftskanzlei: „Nicht sofort unterschreiben!“ Bundespräsident Fischer hatte zu diesem Zeitpunkt keinen persönlichen Kontakt zu Entacher.

Kurz vor 19 Uhr – die Krone ist bereits auf der Straße und titelt „Enthebung oder Flucht in Pension“ – ein drittes Gespräch mit Entacher. Er kehrt vom Minister zu den Generälen zurück: „Ich habe nichts unterschrieben.“ Plötzlich steht der Personalchef des Ressorts, Christian Kemperle, vor der staunenden Runde und sagt: „Herr General, ich muss dir leider mitteilen, der Minister beabsichtigt, dich deines Amtes zu entheben.“
(„Kurier“)

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