Generalstabschef: Berufsheer kostet doppelt so viel

Generalstabschef Edmund Entacher weist in der Diskussion um eine Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht darauf hin, dass ein Berufsheer bei gleicher Leistung des derzeitigen Systems doppelt so viel kosten würde. Das derzeitige System habe sich bewährt, erklärte Entacher bei einem Hintergrundgespräch gestern Abend.
Außerdem glaubt der Generalstabschef nicht, dass man die für ein Berufsheer nötigen Freiwilligen zusammenbringt – derzeit blieben pro Jahr rund 900 der etwa 25.000 Grundwehrdiener beim Heer. Für ein Berufsheer müsste das Budget von rund 2,1 Mrd. Euro auf 4,2 Mrd. Euro aufgestockt werden, um die gleichen Aufgaben erfüllen zu können.

Einbußen an Kapazität
Beim Bundesheer sind laut Entacher durch die geplante Budgetkonsolidierung Einbußen an Kapazität zu erwarten. So soll etwa die Panzerkapazität auf etwa ein Viertel reduziert werden. Ein „brauchbares“ Heer bleibe dennoch erhalten, betonte der Generalstabschef. Nächstes Jahr sollen außerdem aus budgetären Gründen statt 500 möglichen nur 350 Posten nachbesetzt werden, wobei rund 700 Pensionierungen und Abgänge erwartet werden.

Einbußen an Kapazität bedeute, dass Panzer und Artillerie weniger fahren und schießen sowie einige Typen weniger fliegen, erklärte Entacher. Über 20 Jahre sei es eine Faustformel gewesen, dass ein Kampffahrzeug etwa 800 Kilometer im Jahr fahren könne. Nun müsse man weiter gehen und die Anzahl der Panzer festmachen, die überhaupt fahren dürfen, so der Generalstabschef.

Apparat für Darabos „zu stark aufgebläht“
Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) hat gestern seine Sparpläne für die Heeresgeheimdienste dennoch bekräftigt. „Ich bin für eine Abschlankung, denn für einen neutralen Staat ist der Apparat zu stark aufgebläht“, sagte er in der ZIB2.

Deutliche Einsparungen stellte er als Notwendigkeit dar, um die von ihm abgelehnte Zusammenlegung der Nachrichtendienste zu verhindern. Derzeit hätten Nachrichtenamt und Abwehramt 740 Mitarbeiter, über den künftigen Personalstand müsse man eine „Diskussion ohne Tabus“ führen.

Die Einsparung von 200 oder 300 Posten hatte Darabos zuvor in den Raum gestellt. Man werde sich ansehen, was die entsprechende Expertise des Generalstabs ergeben werde, sagte er. Unabhängig davon aber sei er „fest entschlossen, dieses Einsparungspotenzial auszuschöpfen“: „Die Qualität wird nicht darunter leiden, wenn wir herunterfahren.“ ORF 15.7.2010

Schreibe einen Kommentar

Powered by Martin HEINRICH