Nr. 8/06/10 Grußworte des ChGStb zu „50 Jahre ÖOG“

Es mir Ehre und eine Verpflichtung zugleich, ein Grußwort an die festliche Versammlung zu richten.

Zunächst gratuliere ich der jubilierenden Österreichischen Offiziersgesellschaft auf das Allerherzlichste und bedanke mich für die nunmehr 50 Jahre andauernde Begleitung als „sicherheitspolitisches Gewissen“ der Nation.

Ich glaube, dass die Definition als „sicherheitspolitisches Gewissen“ eine sehr zutreffende ist, nahm und nimmt sich doch die Offiziersgesellschaft in einer höchst ambitionierten Weise um das weite Spektrum der Sicherheits- und Verteidigungspolitik an.

Die OG agiert somit auch in einem Spannungsfeld, fordert zur permanenten und kritischen Auseinandersetzung mit dieser wichtigen Thematik heraus und versucht zu sensibilisieren. Und das halte ich für demokratiepolitisch richtig und politisch notwendig.

Das Gewissen ist im Allgemeinen eine innere Kontrollinstanz, welche ganz konkrete Fragen an uns richtet.
Eine Frage weist in die Zukunft, nämlich: Was wie werden soll.
Es gibt auch die Frage an die Vergangenheit: Was ist wie geworden.

Dies schafft mitunter Unbehagen, zwingt aber auch zu Antworten und klaren Stellungnahmen.
Man kann die Offiziersgesellschaft auch als außer- oder vorparlamentarisches Instrument bezeichnen, welches nicht gezwungen ist, der Tagespolitik zu folgen. Sie ist in ihrer Meinungsäußerung nicht gezwungen, den politischen Vorgaben inhaltlich immer und überall zu folgen. Sie ist aber gut beraten, niemals eine Spielwiese für parteipolitische Agitation zu werden.

Die Offiziersgesellschaft ist seit 50 Jahren ein Sprachrohr des Offizierskorps und zwar gleichermaßen der Miliz- und der Berufsoffiziere.

Und ich darf als Mitglied bei dieser Gelegenheit auch gleich zwei Wünsche äußern:
Der eine Wunsch zielt Richtung Berufsoffizierskorps, sich intensiver in die OG einzubringen;
der andere Wunsch zielt Richtung OG, nämlich die Schlagzahl bei der Nachwuchswerbung zu erhöhen.

Das 50jährige Bestandsjubiläum der Offiziersgesellschaft fällt mit einer komplexen Situation des Österreichischen Bundesheeres zusammen, welche als äußerst schwierig und ernst bezeichnet werden muss.

Dieser Situation kann nur in einer gemeinsamen Suche nach Lösungen und in der Vermeidung trennender Maßnahmen begegnet werden.
Unlängst habe ich gelesen, es gäbe beim Bundesheer einen Mangel an Plänen. Dem muss ich nachhaltig widersprechen, ja das Gegenteil ist der Fall. Die seinerzeitige Bundesheerreformkommission  hat umfassende Grundlagen geschaffen – und ich darf in Erinnerung rufen: im Konsens aller Parteien.

Auf Basis dieser Grundlagen wurden in der Folge umfangreiche und detaillierte Pläne geschaffen, um den Herausforderungen moderner Streitkräfte im gemeinsamen Haus Europa gerecht zu werden.

Der Wiener Weihbischof Krätzl hat in einem anderen Zusammenhang das Wort geprägt: „Im Sprunge gehemmt“. Dieses Wort kommt mir immer dann in den Sinn, wenn ich an die gegenwärtige Situation des Bundesheeres denke.
Massive Einsparungserfordernisse – ausgelöst durch eine weltweite Finanzkrise, aber auch fehlende legistische Rahmenbedingungen verringern das anfängliche Tempo der Transformation und somit die Umsetzung unserer Pläne und trüben so die Feierstimmung.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass nicht nur die strategischen Ableitungen Grundlage unserer Pläne sind, sondern vor allem die verfügbaren Ressourcen.

Als Soldaten sind wir aber angehalten auch in krisenhaften Situationen überlegt zu handeln. Und es widerspricht unserer soldatischen Haltung, die Hände in den Schoß zu legen und das Haupt demotiviert zu senken, geschweige denn auf Mitleid zu hoffen.

So bin ich voll überzeugt, dass auch die OG ihren konstruktiven Beitrag im Sinne ihrer Satzungen einbringen wird, wenn es um die Bewältigung schwieriger Aufgaben geht – jetzt und in der Zukunft.

Ich gratuliere nochmals recht herzlich zum 50jährigen Jubiläum.

Es lebe die Österreichische Offiziersgesellschaft.
Es lebe das Österreichische Bundesheer.

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