Grundwehrdienst soll reformiert werden

Bei dem am Wochenende in Salzburg stattfindendem Miliztag wird auch über die Zukunft des Bundesheeres diskutiert. Über einen neuen Ansatz beim Grundwehrdienst zeigt sich auch Verteidigungsminister Norbert Darabos gesprächsbereit. 

 (SN, APA). Der Grundwehrdienst sollte in Hinkunft nicht mehr nur durchgängig in sechs Monaten geleistet werden können, sondern auch ein System von fünf Monaten Ausbildung plus ein Monat in Form von Truppenübungen vorsehen. Diese Forderung erhob heute, Freitagabend, der Präsident der Bundesvereinigung der Milizverbände, Michael Schaffer, beim Festakt anlässlich des 25-jährigen Bestehens dieser Vereinigung in Salzburg.

Ein Vorschlag, über den Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) gesprächsbereit ist: Die Forderung 5 plus 1 sei ein „innovativer Ansatz, über den man politisch reden soll.“ Er wäre bereit, in Richtung Volltruppenübungen zu gehen, reagierte er auf eine weitere zentrale Forderung der Soldatenverbände, die beim Miliztag erhoben wurde.

Insgesamt stand der Miliztag nach Wochen der Auseinandersetzungen über den Zustand der Kasernen und die Einsatzfähigkeit des Bundesheeres im Zeichen versöhnlicherer Töne. Er bekenne sich zum Milizsystem des österreichischen Bundesheeres und sei ein klarer Gegner eines Berufsheers, stellte Darabos klar: „Unser System ist das beste, ist aber jederzeit verbesserungsfähig.“ Die Probleme sollten gemeinsam gelöst werden, appellierte er an einen „Schulterschluss“ im Sinne der Landesverteidigung.

Die Implementierung der Bundesheerreform laufe, in den vergangenen drei Jahren seien 300 Mio. Euro in Kasernenstandorte und die Etablierung der Eurofighter investiert worden. Zwei Mrd. Euro Verteidigungsbudget seien „nicht viel, aber auch nicht wenig“. Darabos betonte, dass es im vergangenen Jahr 76 Waffenübungen mit Milizsoldaten gegeben habe. Die Miliz sei auch bei der Katastrophenhilfe, im Grenzeinsatz sowie bei Auslandsdiensten eingesetzt.

Derzeit würden 70 Prozent der Grundwehrdiener als Systemerhalter eingesetzt, der Rest an der burgenländischen Grenze. Der Miliz fehle dadurch der Nachwuchs. „Wenn jetzt nichts passiert, dann gleiten wir automatisch aus, ohne dass das Parlament je eine Änderung des Milizprinzips beschlossen hat“, warnte der Präsident der Bundesvereinigung.

Ähnlich formulierte es auch Eduard Paulus, der Präsident der Offiziersgesellschaft: „Die Miliz ist durch die letzte Bundesheerreform ins Hintertreffen geraten. Wenn sich das nicht ändert, bleibt vom Bundesheer nur mehr eine kleine Kadertruppe für Spezialaufgaben übrig.“ Es brauche dringend wieder Volltruppenübungen, verlangte Paulus. Eine Forderung, der sich auch der frühere Verteidigungsminister Robert Lichal (V) anschloss: „Übungen, die nur mehr von Häuptlingen und ohne Indianer durchgeführt werden, bringen uns wirklich nichts.“

„Salzburger Nachrichten“,  27. Februar 2010

4 Gedanken zu “Grundwehrdienst soll reformiert werden

  1. lieber herr lichal, übungen schön und gut, was helfen uns aber volltruppenübungen, wenn es kein milizkader mehr gibt. dann haben wir indianer aber keine häuptlinge mehr.

  2. Dann sollte man vielleicht die Beförderungsrichtlinien und die Durchlässigkeit für Seiteneinsteiger den neuen Umständen anpassen, damit nicht so viel Häuptlinge abspringen.

  3. eines ist ja wohl klar, besser als verpflichtende milizübungen wäre wohl eine freiwilligen-miliz, die anständig gezahlt bekommt und die arbeitsrechtlich entsprechend abgesichert ist. ich halte es nicht für schlau, wieder verpflichtende übungen einzuführen und sich dann wieder mit den befreiungsanträgen herumzuschlagen. außerdem was hilft es, wenn die milibataillone üben, aber die aktiven nicht, die ja auch erst eine einsatzbereitschaft erreichen, wenn mobilgemacht wird. was stellt sich denn der michel schaffer vor? dass auch die bataillone in den brigaden mit milizübungspflichtigen aufgefüllt werden? konsequent wäre es!

  4. Die Einführung von verpflichlenden Truppenübungen wäre ein Schritt zurück,der sicher nicht vollzogen wird.Vielmehr muss die Politik gezwungen werden,Anreize für freiwillige Milizarbeit endlich zu schaffen.Vorschläge liegen sicher schon lange am Tisch,sowohl in finanzieller als auch in legislatorischer Hinsicht.Mit der Wiedereinführung von Truppenübungen wird auch die Frage der Wehrgerechtigkeit wieder hochgespült.

Schreibe einen Kommentar

Powered by Martin HEINRICH